Health Claims: Welche Gesundheits-Angaben sind erlaubt?

Health Claims: Welche Gesundheits-Angaben sind erlaubt?

Die sogenannte Health-Claims-Verordnung soll Verbraucher vor falschen, irreführenden oder nicht ausreichend bewiesenen Werbeaussagen schützen. Lebensmittelhersteller, die mit Nährwert-Aussagen wie „fettarm“, „zuckerfrei“ oder „hoher Ballaststoffgehalt“ werben wollen, müssen die bereits seit 2007 geltenden Vorgaben der Verordnung berücksichtigen. Neu hinzugekommen sind seit 2012 Richtlinien für gesundheitsbezogene Angaben. Das betrifft z. B. Aussagen wie „stärkt die Abwehrkräfte“ oder „cholesterinsenkend“. Lesen Sie hier, welche Auswirkungen die Verordnung für Verbraucher hat und was die Claims bedeuten.

Die Health-Claims-Verordnung

Im Jahre 2006 wurde die Health-Claims-Verordnung erlassen. Sie regelt seit Januar 2007 europaweit, welche nährwert- bzw. gesundheitsbezogenen Angaben Lebensmittelhersteller auf den Etiketten ihrer Produkte ausloben dürfen. Ziel ist es, die Angaben auf den Verpackungen glaubwürdiger zu machen und damit die Verbraucher noch besser vor Irreführung und Täuschung zu schützen.

Mit dem englischen Begriff „Health Claims“ werden ganz allgemein Aussagen zur Gesundheit bezeichnet. In der Verordnung wird zwischen nährwert-, gesundheits- und krankheitsbezogenen Angaben unterschieden.

Nährwertbezogene Angaben sind Angaben, die vermitteln sollen, dass ein Lebensmittel aufgrund seines erhöhten oder niedrigeren Nährstoffgehaltes besonders positive Eigenschaften besitzt. Dazu zählen Aussagen wie „natriumarm“, „vitaminreich“ oder „energiereduziert“.

Gesundheitsbezogene Angaben sind Angaben, die einen Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel und unserer Gesundheit herstellen. Zum Beispiel eine Margarine, die mit der Aussage „Pflanzensterine senken den Cholesterinspiegel“ beworben wird.

Krankheitsbezogene Aussagen sind Angaben, die zum Ausdruck bringen, dass durch den Verzehr des jeweiligen Lebensmittels ein bestimmtes Krankheitsrisiko verringert wird – beispielsweise durch eine Aussage wie „schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen“. Bei den krankheitsbezogenen Werbeaussagen ändert sich nichts, sie bleiben nach wie vor verboten. Lebensmittel dürfen generell nicht mit Auslobungen wie „schützt vor Krebs“ versehen werden. Denn Lebensmittel dienen ausschließlich zur Ernährung und nicht zu Heilzwecken, so sieht es das geltende Recht vor.

Vorgaben für nährwertbezogene Angaben seit 2007

Früher konnte jeder Hersteller selbst festlegen, ab wann er sein Produkt als „zuckerarm“ bewerben wollte. Damit ist seit 2007 Schluss. Nährwertbezogene Angaben dürfen nur noch dann gemacht werden, wenn die beworbenen Nährstoffe den vorgegebenen Werten der Verordnung entsprechen.

Die Angabe „zuckerfrei“ setzt zum Beispiel voraus, dass das Lebensmittel maximal 0,5 g Zucker pro 100 g bzw. 100 ml enthält. Eine „fettarme“ Wurst darf maximal 3 g Fett pro 100 g enthalten, und die Angabe „ballaststoffreich“ ist nur zulässig, wenn mindestens 6 g Ballaststoffe pro 100 g enthalten sind.

Prüfung gesundheitsbezogener Angaben

Seit Mai 2012 dürfen gesundheitsbezogene Angaben nur noch dann gemacht werden, wenn sie durch anerkannte wissenschaftliche Studien nachgewiesen und von der „Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit“ (EFSA) zugelassen wurden.

Bereits 2006 wurden die Lebensmittelhersteller aufgefordert, Anträge zur Zulassung gesundheitsbezogener Aussagen zu stellen. So kamen 44.000 Angaben zusammen, die zunächst wegen inhaltlicher Gleichheit auf 4.600 Angaben reduziert wurden. Diese unter-zog die EFSA einer wissenschaftlichen Überprüfung, was einige Jahre in Anspruch nahm.

Nur zugelassene Gesundheitsangaben sind erlaubt

Schließlich wurde im Mai 2012 eine Liste mit 222 erlaubten gesundheitsbezogenen Angaben veröffentlicht. Alle Gesundheitsaussagen, die nicht in dieser Liste stehen, sind nun verboten. Al-lerdings müssen etwa 2000 weitere Angaben zu pflanzlichen Stof-fen und 200 Angaben zu anderen Stoffen wie z. B. Mikroorganis-men noch geprüft werden. Für diese Angaben bleibt erst einmal alles beim Alten: Sie dürfen noch solange verwendet werden, bis die kritische Prüfung der EFSA abgeschlossen ist. In der Warteschleife befinden sich unter anderem Anträge zu den sogenannten „botanicals“, also zu Inhaltsstoffen aus Soja, Artischocke oder sonstigen Pflanzen. Auch die meisten Anträge zur gesundheitlichen Wirkung probiotischer Joghurts liegen noch auf Eis.

Voraussetzungen für die Werbung mit Claims

Wenn Hersteller mit einem von der EFSA zugelassenen Claim werben wollen, z. B. mit der Angabe „Pektine tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“, muss gleichzeitig durch den Verzehr des Lebensmittels gewährleistet sein, dass täglich mindestens 6 g Pektine aufgenommen werden. Zudem muss der Verbraucher darauf aufmerksam gemacht wer-den, dass die positiven Wirkungen erst bei einer täglichen Auf-nahme von 6 g Pektinen entstehen.

Generelle Voraussetzung für die Auslobung ist, dass eine be-stimmte Menge des genannten Vitamins oder Mineralstoffes in dem Lebensmittel vorhanden ist. Für Vitamine und Mineralstoffe heißt dies konkret: Der Gehalt im Lebensmittel muss mindestens 15 % des Tagesbedarfs ausmachen.

Nährwertprofile verhindern Werbung für Ungesundes

In Zukunft sollen zudem sogenannte „Nährwertprofile“ verhindern, dass ungesunde Lebensmittel mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden. Beispielsweise dürften Fruchtgummis dann die Angabe „ohne Fett“ nur tragen, wenn gleichzeitig der hohe Zuckergehalt hervorgehoben würde. Ist zudem der Anteil an einem weiteren ungünstigen Nährstoff zu hoch, dürfte gar kein Claim mehr verwendet werden. Die Nährwertprofile werden derzeit von der EFSA entwickelt und sie werden weitere Einschränkungen für Werbeaussagen mit sich bringen. Noch ist allerdings unklar, wann die Profile veröffentlicht werden.

Viele Werbeslogans nicht mehr erlaubt

Seit Veröffentlichung der Liste mit den 222 erlaubten gesundheitsbezogenen Angaben dürfen einige Hersteller ihre Produkte nicht mehr wie gewohnt mit den bislang verwendeten Slogans bewerben. Abgelehnt wurden zum Beispiel Claims wie „die Schokolade, die beim Wachsen hilft“ oder „Polyphenole wirken positiv auf den Blutdruck“. Grünes Licht gab es dagegen für zahlreiche Aussagen, bezogen auf Vitamine und Mineralstoffe. Zugelassen wurden beispielsweise Slogans wie „Vitamin C stärkt das Immunsystem“ oder „Calcium ist wichtig für den Erhalt der Knochen“.

Bedeutung der Claims für die Verbraucher

Positiv an der Verordnung ist, dass genaue Höchst- bzw. Mindestgehalte für bestimmte Nährstoffe definiert sind. Gleichzeitig dürfen zahlreiche, nach Ansicht der EFSA wissenschaftlich nicht bewiesene Aussagen nicht mehr verwendet werden. Kritiker der Verord-nung meinen jedoch, dass die Auslobungen sich auch negativ auswirken könnten. Denn die meisten erlaubten Claims beziehen sich auf Nährstoffe, mit denen die Bevölkerung hinreichend versorgt ist.

Beispielsweise ist nicht ausgeschlossen, dass auch Personen, die einen normalen Cholesterinspiegel haben, zu der Margarine greifen, die mit „Pflanzensterine senken den Cholesterinspiegel“ wirbt. Zudem könnte es geschehen, dass jetzt, wo die erlaubten Claims bekannt sind, Lebensmittel gezielt mit entsprechenden Nährstoffen angereichert werden, um mit einem erlaubten Claim werben zu können.

Innerhalb eines Jahres soll jedoch von der EU-Kommission untersucht werden, ob die Verbraucher die zugelassenen Claims richtig verstehen und wie sich der Markt entwickelt. Auf Basis dieser Untersuchung sollen gegebenenfalls Änderungen vorgeschlagen werden.

Tipp: Mehr Informationen zu dem Thema „Health Claims“ finden Sie unter www.health-claims-verordnung.de und www.efsa.europa.eu.

Angabe Voraussetzung (pro 100 g/ml)  
Energiereduziert mind. 30 % verringerter Brennwert  
  Feste LM: Flüssige LM:
Fettarm ≤ 3 g Fett ≤ 1,5 g Fett
Zuckerfrei ≤ 0,5 g Zucker  
Natriumarm ≤ 0,12 g Natrium  
  Feste LM: Flüssige LM:
Ballaststoffreich ≥ 6 g Ballaststoffe ≥ 3 g Ballaststoffe
Proteinreich Proteinanteil mind. 20 % des Brennwertes