Milcheiweißallergie

In Deutschland leidet bereits jeder Dritte unter einer Lebensmittelunverträglichkeit – Tendenz psteigend. Häufig sind schon Kinder betroffen. Bei einer Milcheiweißallergie reagieren die Betroffenen auf bestimmte Eiweißgruppen in der Milch allergisch. Dies ist nicht zu verwechseln mit einer Lactoseintoleranz, der häufig vorkommenden Unverträglichkeit von Milchzucker. Bis heute werden die Beschwerden oft falsch diagnostiziert oder nicht ausreichend therapiert. Umso wichtiger sind Tipps und Tricks, wie sich der Alltag mit der Allergie einfacher gestalten lässt.

Milcheiweißallergie oder Lactoseintoleranz?

Wenn Milch Bauchschmerzen oder Durchfall verursacht, kann dies entweder am Zucker oder an den Eiweißen in der Milch liegen. Bei einer Laktoseintoleranz ist im Körper zu wenig von dem Enzym vorhanden, das Milchzucker spaltet. Die Milcheiweißallergie dagegen ist eine,der häufigsten echten Lebensmittel-Allergien. Sie wird durch bestimmte Eiweißfraktionen in der Milch ausgelöst. Mit Tests beim Arzt lässt sich feststellen, ob eine Lactoseintoleranz oder eine Milcheiweißallergie vorliegt und welche Milcheiweiße die Beschwerden hervorrufen.

Allergieauslöser: Casein oder Molkeneiweiß

Bei einer Milcheiweißallergie ist es entscheidend, auf welche Teile des Milchweißes Betroffene allergisch reagieren. Davon hängt auch ab, auf welche Alternativen ausgewichen werden kann und ob Milch in erhitzter oder gesäuerter Form vertragen wird. Das Eiweiß der Milch besteht aus einem Komplex verschiedener Eiweißfraktionen. Vereinfacht lässt es sich in zwei Komponenten unterteilen: das hitze-stabile Casein und das hitze-empfindliche Molkeneiweiß. Casein besteht aus einer Mehrzahl verschiedener Proteine, die etwa 80 % der Gesamtmenge ausmachen. Es ist das Milcheiweiß, das zur Käseherstellung dient. Deshalb enthalten Käse und Quark überwiegend Casein. Bei einer Allergie gegen Casein muss auf die Milch aller Tierarten verzichtet werden. Erschwerend hinzukommt, dass das Casein durch Erhitzung nicht zerstört wird. Deshalb vertragen Casein-Allergiker auch gekochte Milch nicht. Anders dagegen sieht es bei einer Allergie gegen Molkeneiweiß aus. In diesem Falle lässt sich auf die Milch von anderen Tierarten, wie Ziegen oder Schafen, zurückgreifen. Da die Molkenproteine zudem hitzelabil sind, kann das Kochen der Milch unter Umständen die allergene Wirkung verringern.

Lebensmittel, die Sie meiden sollten

Selbstverständlich sollten Milcheiweiß-Allergiker alle Produkte meiden, die Kuhmilcheiweiß enthalten. Neben Milch und Milchprodukten sind dies auch zahlreiche verarbeitete Produkte, da Milcheiweiß in der Lebensmittelindustrie sehr häufig verwendet wird. Es wird Produkten zu verschiedenen Zwecken zugesetzt, beispielsweise um den Eiweißgehalt in Fleischerzeugnissen aufzuwerten. Achten Sie im Zutatenverzeichnis auf Hinweise wie: Milchpulver, Milcheiweiß, Molkeneiweiß oder Casein. Auf verpackten Lebensmitteln müssen Milchbestandteile gekennzeichnet sein. Bei unverpackten Lebensmitteln sollten Sie nachfragen.

Verträgliche Alternativen

Viele Milcheiweißallergiker vertragen Butter oder Sahne gut, da der Eiweißanteil sehr gering ist. Mit Wasser verdünnte Sahne wird gerne als Milchalternative verwendet. Auf Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch können leider nur Molkenprotein-Allergiker ausweichen. Auch Soja-Produkte können die Lebensmittelpalette erweitern. Allerdings ist Vorsicht geboten, da das Sojaprotein bei vielen Milcheiweißallergikern ebenfalls Unverträglichkeiten auslöst. Andere Alternativen sind rein pflanzliche Produkte wie Reis-, Hafer- oder Mandelmilch oder Mandelmilch (siehe Infokasten). Zudem bieten einige Hersteller spezielle milchfreie Produkte an.

Versorgung mit Eiweiß und Calcium

Milch und Milchprodukte sind gute Quellen für Eiweiß und liefern zudem Calcium. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr an diesen Nährstoffen und Mineralstoffen, um trotz des Verzichtes auf Milch gut versorgt zu sein.

Alternativen zur Versorgung mit tierischem Eiweiß sind Fleisch, Fisch und Eier.

Alternativen zur Versorgung mit Calcium sind calciumreiche Mineralwässer. Einige Sorten liefern bis zu 600 mg Calcium pro Liter. Achten Sie beim Kauf des Wassers auf die Bezeichnung „calciumhaltig“ oder „calciumreich“. Ein Mineralwasser darf die Bezeichnung „calciumhaltig“ tragen, wenn es mind. 150 mg Calcium pro Liter enthält. Dies entspricht ca. 15% des Tagesbedarfs an Calcium.

Zudem enthalten verschiedene Gemüsesorten mehr Calcium als andere. Hierzu zählen z.B. Grünkohl, Broccoli, Fenchen und Mangold. Diese Gemüsesorten, sowie Hülsenfrüchte und Kräuter wie z.B. Petersilie und Dill tragen in der Summe zur Calciumversorgung bei.

Zudem sollten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten. Steht dem Körper nicht genug Vitamin D zur Verfügung, wird Calcium vom Körper schlechter aufgenommen. Vitamin D kann unser Körper selbst unter dem Einfluss von Sonnenlicht synthetisieren. Gerade in den dunklen Wintermonaten ist es jedoch wichtig, die Zufuhr von Vitamin D über die Nahrung zu erhöhen. Eine Vitamin D Quelle sind z.B. fettreiche Fische wie Hering, Sardine und Lachs.