Fruktose-Unverträglichkeit: Bauchschmerzen durch Obst

Fruktose

Obst versorgt uns mit Vitaminen und Mineralstoffen; dabei hat es relativ wenige Kalorien – ideal also für eine gesunde Ernährung. Doch was tun, wenn die Erdbeeren im Bauch zwicken und Äpfel Durchfall verursachen? Wer nach dem Verzehr von Obst, Honig oder mit Sorbit gesüßten Lebensmitteln häufig Probleme bekommt, sollte überprüfen lassen, ob er kein Fruchtzucker verträgt. Wir erklären, wie man dies feststellt, was die Ursachen sind und wie man mit der Unverträglichkeit relativ gut klarkommt.

Fruktosemalabsorption – was ist das?

An einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit sind meistens Stoffwechselstörungen Schuld, die Fachleute „Fruktoseintoleranz“ oder „Fruktosemalabsorption“ nennen. 

Fruktose, auf Deutsch Fruchtzucker, ist ein Einfachzucker, der vor allem in Obst vorkommt, in geringen Mengen auch in Gemüse. Zudem enthält Honig relativ viel Fruktose.

Mal-Absorption stammt vom lateinischen „malus“, was „schlecht“ bedeutet, hier also „schlechte Aufnahme“.

Bei der Fruktosemalabsorption wird der Fruchtzucker schlecht aufgenommen, weil sein „Transport“ vom Darm ins Blut nicht gut genug funktioniert. Das kommt übrigens recht häufig vor. Etwa jeder dritte Erwachsene leidet darunter und vermutlich zwei von drei Kindern.

Ursachen: Warum Fruchtzucker Probleme macht

Gesunde Menschen können Fruchtzucker problemlos verdauen. Doch bei Patienten mit Fruktosemalabsorption arbeitet der „Transporter“, der Fruktose vom Darm ins Blut schleust, nicht optimal. Deshalb bleibt ein Teil der Fruktose im Darm und gelangt in die unteren Darmabschnitte. Hier wird sie von Bakterien zersetzt. Dabei bilden sich Gase und organische Säuren. Die Gase verursachen Blähungen und Schmerzen. Die Säuren können Durchfälle auslösen.

Sorbit verstärkt die Beschwerden

Der Zuckeraustauschstoff Sorbit verstärkt die Symptome einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit. Denn Sorbit nutzt den gleichen „Transporter“, um ins Blut zu gelangen. Dadurch kann noch weniger Fruchtzucker verstoffwechselt werden. Sorbit wird häufig zum kalorienarmen Süßen von Getränken, Obstkonserven, Konfitüren und Süßwaren eingesetzt.

Symptome: Woran erkennt man eine Fruktoseintoleranz?

Typische Symptome einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit sind Blähungen, Völlegefühl, krampfartige Bauchschmerzen und wässrige Durchfälle. Meistens treten die Beschwerden nach dem Verzehr von Obst, Fruchtsäften, Honig oder sorbitgesüßten Lebensmitteln auf. Da die Symptome auch andere Ursachen haben können, sollte zunächst ein Beschwerde-Tagebuch geführt werden, um Zusammenhänge feststellen zu können. Der Arzt kann durch einen Atemtest feststellen, ob Fruchtzucker der Auslöser ist.

Therapie: Was tun bei einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit?

Bei einer Fruktosemalabsorption sollten Fruchtzucker und Sorbit mit Vorsicht genossen werden, sind aber keineswegs völlig tabu. Wie gut Fruchtzucker vertragen wird, ist von Fall zu Fall verschieden und kann sich im Laufe der Zeit verändern. Manchmal sind 10 Gramm noch im Rahmen, manchmal bereitet bereits 1 Gramm Probleme. Vor diesem Hintergrund müssen Patienten vorsichtig austesten, wie viel Obst oder fruchtzuckerreiche Lebensmittel sie essen können. Idealerweise sollte eine Ernährungsfachkraft die Patienten dabei beraten und unterstützen.

Nicht auf Obst und Gemüse verzichten!

Da Obst und Gemüse wichtige Vitamine und Mineralstoffe liefern, sollten sie keineswegs ganz vom Speiseplan gestrichen werden. Sonst kann es leicht zu einem Mangel an Vitamin C, Folsäure und Zink sowie weiteren Nährstoffen kommen. Deshalb sollten verträgliche Obstsorten gegessen und das Spektrum mit der Zeit erweitert werden. Reichlich fruktosearme Gemüsesorten unterstützen die Nährstoffversorgung.

Tipp: Traubenzucker hilft, Fruchtzucker zu verdauen

Traubenzucker (Glucose) fördert den Transport von Fruchtzucker ins Blut. Ideal ist ein Verhältnis von 1:1. Dies liegt zum Beispiel bei Invertzuckercreme (Kunsthonig) vor. So kann Bienenhonig unter Umständen durch Kunsthonig ersetzt werden. Und fruchtzuckerreiche Früchte werden verträglicher, wenn man Traubenzucker darüber streut.

Bei welchen Lebensmitteln muss ich aufpassen?

Problematisch sind z. B.

  • Birnen
  • Äpfel
  • Mangos
  • Wassermelonen
  • Heidelbeeren
  • Johannisbeeren
  • Fruchtsäfte, Tomatensaft
  • Trockenfrüchte
  • Honig

Auch Gemüsesorten wie Artischocken, Lauch oder Grünkohl können Probleme bereiten.

Besser verträglich sind dagegen Früchte mit einem günstigen Verhältnis von Fruchtzucker und Traubenzucker. Hierzu zählen beispielsweise Bananen, Feigen, Mandarinen oder Papaya.

Vorsicht bei Sorbit: Da der Zuckeralkohol Sorbit die Beschwerden verstärkt, sollten auch sorbitreiche Lebensmittel gemieden werden. Viele Light- und Diabetiker-Lebensmittel sowie manche Fertigprodukte und Erfrischungsgetränke enthalten Sorbit. Auch Obstkonserven und Fruchtsäfte werden häufig mit Sorbit gesüßt, ebenso Süßwaren, Kaugummis oder Zahnpasta. Achten Sie darauf, ob Sorbit oder E 420 in der Zutatenliste auf dem Etikett steht. Zudem steckt in Trockenfrüchten relativ viel Sorbit. Besonders sorbitreiche Früchte sind Birnen und Pflaumen, aber auch Äpfel, Pfirsiche und Aprikosen enthalten Sorbit.

Achtung Zutatenliste: Auf dem Etikett eines Lebensmittels sollten Sie neben problematischen Obstsorten auf folgende Bezeichnungen achten:
Fruchtzucker, Fruktose, Fruktosesirup, Fruktose-Glukose-Sirup (Glukose-Fruktose-Sirup ist dagegen in Ordnung), Birnendicksaft, Birnenkraut, Apfelkraut, Honig, Inulin, Sorbit, E 420.