Essstörungen - welche es gibt und woran man sie erkennt

Wenn die Gedanken nur noch ums Essen kreisen und das ganze Leben bestimmen, wird es Zeit gegenzusteuern. Menschen, die ihre Nahrung streng kontrollieren, bis sie klapperdürr sind oder solche, die unkontrolliert futtern, um hinterher alles wieder loszuwerden, haben ein Problem, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Doch wo geht das verbreitete Diäten-machen in eine Essstörung über? Wann wird aus dem Schlankheitsideal eine krankhafte Magersucht? Lesen Sie mehr über die Merkmale einer Essstörung. Erfahren Sie, was Freunde und Angehörige tun können und wo Sie Hilfe finden.

Essstörungen betreffen auch Jungen und Erwachsene

Essstörungen gehören zu den häufigsten chronischen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen. Knapp 30 % der 11- bis 17-jährigen Mädchen zeigen erste Anzeichen einer Essstörung. Aber auch Jungen sind betroffen: Etwa 15 % dieser Altersgruppe weisen erste Symptome auf. In der Pubertät ist das Risiko eine Essstörung zu entwickeln am größten. Magersucht tritt teilweise schon bei Zwölfjährigen auf. Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und Binge-Eating-Disorder kommen jedoch häufig auch bei Erwachsenen vor.

Magersucht (Anorexie)

Magersüchtige kontrollieren ihr Essen extrem streng, da sie Angst haben dick zu werden. Selbst bei deutlichem Untergewicht finden sie sich noch zu dick. Die Kontrolle über ihren Körper erleben sie als Macht und Stärke. Von Magersucht spricht man, wenn das Körpergewicht mindestens 15 % unter dem minimalen Normalgewicht liegt. 5 – 6 % der Betroffenen sterben sogar an der Magersucht.

Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Auch Menschen mit Bulimie wollen eigentlich schlank sein. Doch mindestens zwei Mal in der Woche erleben sie Heißhungeranfälle und stopfen zügellos große Mengen an Nahrungsmitteln in sich hinein. Anschließend plagen sie Schuldgefühle und sie versuchen, die zusätzlichen Kalorien durch absichtlich hervorgerufenes Erbrechen, durch exzessiven Sport, Fasten, Diäten oder Abführmittel wieder loszuwerden.

Binge-Eating-Disorder

Binge-Eating-Störungen sind ebenfalls durch hemmungslose Fressattacken gekennzeichnet. Auch hier werden heimlich Lebensmittel gehortet und in großen Mengen gegessen. Menschen mit Binge-Eating-Disorder versuchen jedoch nicht, die zusätzliche Kalorienaufnahme zu kompensieren, wodurch sie deutlich übergewichtig werden.

Ursachen: Schönheitsideale und seelische Probleme

Essstörungen sind suchtartige körperliche Erkrankungen, die in der Regel auf seelische Probleme zurückgehen. Das gängige Schönheitsideal eines schlanken, makellosen Körpers spielt dabei eine Rolle. Doch letztlich sind die dauernde Gewichtskontrolle und der Zwang zum Abnehmen nur ein äußerer Weg, um innere Probleme zu lösen. Die eigentliche Ursache bilden in der Regel Schwierigkeiten in der Familie, mangelndes Selbstwertgefühl oder andere persönliche Probleme.

Wie erkennt man eine Essstörung?

Die Übergänge vom weit verbreiteten „Schlankheitswahn“ über leicht gestörtes Essverhalten bis hin zu schweren Essstörungen sind fließend. Erste Anzeichen für eine Essstörung finden Sie im Infokasten. Es ist höchste Zeit zu handeln, wenn die Beschäftigung mit Essen und Kalorien zwanghafte Formen annimmt, wenn die Angst vor dem Zunehmen sich verselbstständigt und kein Gefühl mehr für gewöhnliche Essensportionen, für Hunger und Sättigung vorhanden ist.

Generell empfiehlt es sich, möglichst frühzeitig gegenzusteuern. Dabei müssen neben dem Essverhalten auch die zugrunde liegenden seelischen Probleme angegangen werden. Achtung: Für Essgestörte ist es typisch, ihre Krankheit hartnäckig zu verleugnen. Besorgte Angehörige und Freunde sollten dann professionelle Hilfe suchen.

Was tun? Erste Hilfe und Therapien

Bei leichten Störungen des Essverhaltens können folgende Schritte helfen:

  • regelmäßig, bewusst und mit Genuss essen
  • auf Körpersignale wie Hunger und Sättigung achten
  • keine Diäten machen, keine Appetitzügler oder Abführmittel verwenden
  • sich häufig bewegen, aber mit Spaß
  • den eigenen Körper akzeptieren lernen
  • persönliche Probleme lösen, evtl. Hilfe suchen
  • Genuss und Freude am Leben finden

Tipp: Ob Sie Normalgewicht haben, zeigt unser BMI-Rechner. Das Wichtigste ist allerdings, dass Sie sich in Ihrer Haut wohlfühlen.

Vorsicht: Manifeste Essstörungen sind ernst zu nehmende Erkrankungen. Angehörige und Freunde können hier nicht allein helfen. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel von Fachärzten, Ernährungsberatern, speziellen Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen.

Schwere Essstörungen sind lebensgefährlich und benötigen unbedingt professionelle Hilfe. Weitere Informationen und Kontaktadressen finden Sie unter www.bzga-essstoerungen.de.

Anzeichen für eine Essstörung

  • ständige Diäten
  • exzessiver Sport
  • Gedanken kreisen ständig um Essen und Kalorien
  • hungern, stark eingeschränkte Nahrungsauswahl
  • Einnahme von Appetitzüglern und Abführmitteln
  • Ablehnung des eigenen Körpers
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • zwanghaftes Verhalten
  • extreme Gewichtsabnahme (oder –zunahme)
  • heimliches Essen und Horten von Nahrungsmitteln