Was ist Slow Food?

Prall gefüllte Terminkalender, Hektik und Zeitnot – da bleibt wenig Zeit fürs Kochen und Genießen. Also greifen wir zu Fast Food, um schnell und einfach satt zu werden. Geschmack ist dabei meist Nebensache. Diesem Trend zum Fast Food und Fast Life setzen Vertreter der Slow-Food-Bewegung eine Kultur des bewussten Essens und Genießens entgegen. Sie fördern den Erhalt regionaler Küche und der geschmacklichen Vielfalt. Wie die Bewegung entstand und welche Ziele sie verfolgt, erfahren Sie hier.

Gründung des Vereins zum Erhalt der Esskultur

Mitten in den piemontesischen Weinbergen gründete 1986 der Journalist und Soziologe Carlo Petrini gemeinsam mit den „Freunden des Barolo“ einen Verein zur Erhaltung der Esskultur. Vorausgegangen war der Weinskandal 1985/86, als mit Methanol versetzter Wein zum Tode einiger Menschen führte. Nach dem Skandal machten die italienischen Winzer große Verluste. Petrini und seine Mitstreiter besserten das Image des Weines wieder auf, indem sie zuverlässige Weingüter ausfindig machten und in einem Weinführer zusammenstellten. Aus dieser Initiative entstand schließlich die Slow-Food-Bewegung.

Slow Food mit Schnecken-Logo

Im Dezember 1989 wurde der Verein umbenannt in „Slow Food“ und gilt seitdem als internationale Non-Profit-Organisation. Weltweit gibt es mittlerweile rund 100.000 Mitglieder in über 150 Ländern. Slow Food Deutschland besteht seit 1992 und hat heute etwa 12.000 Mitglieder. Diese sind in 80 regionalen Convivien organisiert. Im Terra-Madre-Netzwerk existieren zudem rund 2.000 Gemeinschaften, die in kleinem Stil Lebensmittel produzieren. Das offizielle Logo der Bewegung ist die Weinbergschnecke, ein Sinnbild für das „langsame Essen“.

Slow Food Lebensmittel: gut, sauber, fair

Nach Meinung von Slow Food sollten wir genussvoll und bewusst, regional und saisonal essen. Der Gründer Carlo Petrini gab folgende Devise für Lebensmittel aus: gut, sauber und fair.

Gut bedeutet, dass die Lebensmittel gut schmecken, unsere Sinne anregen und befriedigen. Zugleich sollen sie frisch, nahrhaft und gesundheitlich einwandfrei sein.

Sauber bezieht sich auf die Herstellung von Lebensmitteln. Sie soll die Ressourcen der Erde, die Ökosysteme und die Umwelt nicht belasten und keinen Schaden an Mensch, Tier und Natur verursachen.

Fair meint eine Ernährung und Lebensmittelproduktion, die soziale Gerechtigkeit fördert. Gefordert werden eine angemessene Bezahlung und faire Bedingungen für alle – vom Produzenten über den Handel bis zum Konsumenten.

Ziel: Regionale Vielfalt erhalten

Erklärtes Ziel von Slow Food ist es, die regionale Esskultur sowie traditionelle Lebensmittel und Verarbeitungsmethoden zu bewahren. Vielfalt auf dem Teller ist jedoch nur möglich, wenn die biologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren erhalten bleibt. Deshalb fördern Slow-Food-Projekte den Anbau ursprünglicher und traditioneller Obst-, Gemüse- und Getreidesorten. Gefährdete Nutztierarten wie z. B. Haubenhühner aus Padua oder die piemontesische Kuh werden geschützt.

Ziel: Umwelt schützen – Ressourcen bewahren

Slow Food engagiert sich politisch für Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften. Ziel ist eine verantwortungsvolle Landwirtschaft und Fischerei mit ökologischem Anbau und artgerechter Tierhaltung. Dabei spricht sich Slow Food gegen den Einsatz von Gentechnik aus.

Ziel: Geschmacksbildung

Slow Food versteht sich als „Lobby für den guten Geschmack“. Slow-Food-Mitglieder treffen sich gerne, um gemeinsam zu kochen, zu verkosten und zu genießen. Zugleich fördern sie auch eine bewusstere geschmackliche Wahrnehmung bei Schülern und Erwachsenen. In Seminaren informieren sie über Lebensmittel und schulen den Geschmackssinn.

Slow-Food-Aktivitäten

Slow-Food-Mitglieder organisieren Messen und Ausstellungen, darunter auch die weltgrößte Ausstellung für Qualitätslebensmittel und -wein in Turin. Wer auf einer solchen Messe ausstellen möchte, muss sich an die Slow-Food-Qualitätskriterien halten, die unter anderem die Gentechnik-Freiheit und den Verzicht auf Zusatzstoffe vorschreiben.

Der Slow-Food-Preis wird jährlich an einen Bauern, Handwerker, Winzer, Fischer oder Hirten verliehen, der sich in besonderer Weise für den Schutz der biologischen Artenvielfalt einsetzt.

Von der Slow-Food-Bewegung wurde die erste Universität für gastronomische Wissenschaften gegründet. In den italienischen Städten Pollenzo (Piemont) und Collorno (Parma) widmen sich Dozenten aus aller Welt den kulturellen Grundlagen der Ernährung.

Slow Food vor Ort

In sogenannten „Convivien“, den regionalen Gruppierungen treffen sich Mitglieder, um gemeinsam lokale Betriebe zu besichtigen, Verkostungen durchzuführen, gemeinsam zu kochen und zu essen und sich zu informieren. Sie organisieren Veranstaltungen und engagieren sich auch politisch.

Nähere Informationen zu den Terminen und Aktivitäten von Slow Food vor Ort, zu Mitgliedschaft, Publikationen und Messen finden Sie auf www.slowfood.de