Übersäuerung des Körpers - was tun?

Unsere heutige Ernährung mit reichlich Fleisch und Eiweiß, aber wenig Obst und Gemüse kann im Körper einen Säureüberschuss hervorrufen. Schätzungen gehen davon aus, dass 80 % der Bevölkerung übersäuert sind. Einige sehen darin ein schwerwiegendes gesundheitliches Problem mit allerlei negativen Folgen. Andere behaupten dagegen, es gäbe überhaupt keine Übersäuerung, da der Körper die Säure-Basen-Balance selbst regelt. Was ist also dran an dem Thema? Wann kann es zu einer Übersäuerung kommen und mit welchen Maßnahmen kann man gegensteuern?

Feines Gleichgewicht: der Säure-Basen-Haushalt

Für unseren Körper spielt das Verhältnis von Säuren und ihren Gegenspielern, den Basen eine ganz entscheidende Rolle. Denn die meisten Prozesse in unserem Stoffwechsel benötigen ein ganz bestimmtes Säure-Basen-Verhältnis, auch als pH-Wert bekannt. Stimmt der pH-Wert nicht, laufen die Prozesse nicht oder sind verlangsamt. Das Säure-Basen-Verhältnis ist also lebenswichtig für uns. Deshalb hält unser Körper das Verhältnis normalerweise in ganz engen Grenzen konstant. Dazu besitzt er verschiedene Puffersysteme.

Wie entstehen überhaupt Säuren?

Werden Lebensmittel im Körper abgebaut, entstehen bei einigen mehr Säuren und bei anderen mehr Basen, wieder andere verhalten sich neutral. Säurebildner sind vor allem eiweißreiche tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Aber auch Getreide bilden Säuren. Basenbildner sind dagegen Obst und Gemüse sowie deren Säfte. Selbst Obst oder Obstsäfte, die auf der Zunge sauer schmecken, wirken im Körper basisch. Darüber hinaus kann unsere Lebensweise zur Säurebelastung beitragen. Übermäßiger Sport bildet Säuren; so wird z.B. Muskelkater durch Milchsäure verursacht. Beim Fasten oder bei strengen Diäten verändert sich der Stoffwechsel und bildet mehr Säuren. Aber auch bei zu viel Alkohol oder durch Entzündungen im Körper entstehen Säuren. Ebenso können Diabetes, Gicht oder Nierenerkrankungen zu einer Übersäuerung führen. Ob Stress die Säurelast erhöht, konnte bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Schleichende Übersäuerung bei zu hoher Belastung

Eine extreme Übersäuerung, von Fachleuten Azidose genannt, kommt zum Glück nur selten vor und muss sofort behandelt werden. Doch unsere heutige Art zu leben und zu essen, mit viel tierischem Eiweiß, aber wenig Obst und Gemüse bombardiert den Körpers ständig mit Säuren. Auf Dauer können dadurch die Puffersysteme des Körpers an ihre Grenzen gelangen.

So eine schleichende Übersäuerung belastet den gesamten Stoffwechsel. Vor allem die Nieren sind betroffen, und durch den stärker angesäuerten Urin können Harnsteine entstehen. Um die vielen Säuren neutralisieren zu können, löst der Körper Calcium aus den Knochen, wodurch sich das Risiko für Osteoporose erhöht. Möglicherweise gehen auch manche Müdigkeit, Schlappheit oder Krankheitsanfälligkeit auf das Konto einer leichten Übersäuerung. Dies lässt sich allerdings nicht nachweisen.

So vermeiden Sie eine Übersäuerung

Wer die Säurebelastung seines Körpers verringern möchte, sollte den Konsum von Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten etwas einschränken. Beim Getreide sollten eher Weißmehlprodukte vom Speiseplan gestrichen werden, da Vollkornprodukte viele wichtige Nährstoffe liefern, auf die man nicht verzichten sollte. Um die basische Seite zu stärken, dürfen Sie bei Obst und Gemüse und deren Säften kräftig zugreifen. Auch Mineralwässer mit viel Hydrogencarbonat, einer starken Base, eignen sich, um Säuren den Kampf anzusagen. Insgesamt empfiehlt sich ein gesunder Lebenswandel mit ausgewogener Ernährung, der unserer Gesundheit in jeder Hinsicht zu Gute kommt.

Welche Lebensmittel Säuren bzw. Basen bilden

Um die saure oder basische Wirkung eines Lebensmittels im Körper zu kennzeichnen, wird der so genannte PRAL-Wert ermittelt. Er gibt die mögliche Säurebelastung der Niere an (Potential Renal Acid Load). Ein negatives Vorzeichen zeigt die basische Wirkung. Hier einige Beispiel-Lebensmittel.
Säurebildner PRAL-Wert mgÄg/100g Basenbildner PRAL-Wert mgÄg/100g
Rindfleisch 9 Spinat -14
Salami 12 Ruccola -8
Parmesankäse 34 Möhren -5
Milch, Joghurt 1 Gurken -1
Eier 8 Rosinen -21
Garnelen 18 Schwarze Johannisbeeren -7
Forelle,Karpfen 10 Bananen -5
Seezunge 7 Äpfel -2
Vollkornreis 12 Möhrensaft -5
Weizenmehl 7 Orangensaft -3
Nudeln 7 Apfelsaft -2