Ernährung in Deutschland: was essen die Deutschen?

Die Deutschen lieben es deftig. Das zeigt schon die Häufigkeit von Leberkäse, Döner, Pizza, Currywurst & Co., die an jeder Ecke zum fettigen Genuss einladen. Aber auch traditionelle Klassiker wie Braten, Knödel und sahnige Bratensoßen gehören nicht gerade zu den Leichtgewichten. So gilt die deutsche Küche im internationalen Vergleich als kalorienreich. Aber ist die Ernährung der Deutschen grundsätzlich so falsch? Wie haben sich unsere Essgewohnheiten in den letzten Jahren verändert? Sind wir mit allen lebenswichtigen Nährstoffen ausreichend versorgt? Dies und vieles mehr erfahren Sie hier.

Statistiken zeigen: So essen die Deutschen

Die gute Nachricht zuerst: Der Ernährungsbericht 2008 zeigt, dass wir in den letzten Jahren mehr Getreide, Obst, Gemüse und Fisch gegessen haben. Allerdings ist gleichzeitig auch der Verzehr von Alkohol, Eiern, Fleisch, tierischen Fetten und Margarine gestiegen.

Die Ernährung der Deutschen ist insgesamt zwar vielseitig, doch wir essen mehr Fett als nötig und zu wenig Ballaststoffe. Schlank macht uns das nicht: Die Mehrheit aller Männer über 35 und der Frauen über 55 Jahren sind heutzutage übergewichtig, wenn nicht sogar fettleibig.

Experten vermuten, dass dies unter anderem am stetig steigenden Zuckerkonsum liegt. Bestimmte Zuckerarten, die gerne in Erfrischungsgetränken eingesetzt werden, stehen unter Verdacht, den Stoffwechsel zu beeinflussen und die Anreicherung von Körperfett zu begünstigen.

Ein Nachteil ist auch die starke Verarbeitung unserer Lebensmittel: Während früher Kartoffeln als Beilage gereicht wurden, sind es heute eher die fettreichen und ballaststoffarmen Varianten wie Pommes frites, Bratkartoffeln oder Kroketten.

Nach wie vor hoch im Kurs bei den Deutschen steht das Fleisch, was gerne mit fettreichen Soßen oder Panaden serviert wird. Die DGE rät zu einem moderaten Fleischkonsum von 300 – 600 g Fleisch pro Woche.

Obwohl wir mittlerweile das ganze Jahr über eine Fülle an Obst- und Gemüse im Angebot haben, essen immer noch 60 % der Deutschen zu wenig Obst und 87 % zu wenig Gemüse. Ungünstig ist auch, dass wir immer weniger Getreideprodukte essen, denn diese enthalten viele Ballaststoffe und sättigen besonders gut - eigentlich ideal als Schutz vor Übergewicht.

Tipp: Wie eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung aussehen sollte, lesen Sie in den Beiträgen: „Die Ernährungspyramide“ und „die 10 Regeln einer ausgewogenen Ernährung“.

Nährstoffversorgung auf einen Blick

Um die Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen müssen wir uns keine großen Sorgen machen: Bei den meisten Nährstoffen erreichen wir im Durchschnitt die Referenzwerte. Es gibt hier nur wenige Ausnahmen. Bei diesen reicht es aus, gezielt Lebensmittel in den Speiseplan einzubauen, welche die entsprechenden Nährstoffe liefern.

Bei der Zufuhr von Vitamin D und Folsäure liegen wir deutlich unter den Empfehlungen. Um den täglichen Bedarf an 400 µg Folsäure pro Tag zu decken, ist es wichtig, pflanzliche Lebensmittel wie Kohl, Spinat, Hülsenfrüchte und Getreidekeime in den Speiseplan mit einzubeziehen. Vitamin D ist vor allem in fettreichem Fisch, in Eigelb, verschiedenen Käsesorten oder Pilzen zu finden. Einen guten Beitrag zur Versorgung kann auch die körpereigene Vitamin-D-Produktion leisten, die unter Sonneneinstrahlung in der Haut stattfindet. Wer sich täglich mindestens 15 Minuten im Freien aufhält, kann seinen Bedarf größtenteils auf diesem Wege decken.

Bei jungen Frauen ist die Versorgung mit Eisen zu gering, sie erreichen noch nicht mal die Hälfte der empfohlenen Zufuhrmenge von 15 mg pro Tag. Gute Eisenlieferanten sind zum Beispiel Fleisch, Leber, Lachs, Haferflocken, Weizenkeime und Hülsenfrüchte.

Jugendliche sollten einen Augenmerk auf ihren Calciumbedarf richten. Denn rund 50 % aller jungen Menschen erreichen den Referenzwert von 1000 mg/Tag. Gute Calciumquellen sind Milch und Milchprodukte, bereits 150 g Schnittkäse oder 800 ml Milch decken den Bedarf zu 100 %. Aber auch calciumreiche Mineralwässer und grüne Gemüse wie Grünkohl, Kohlrabi oder Ruccola helfen, den Bedarf zu decken.

Durch den Einsatz von Jodsalz hat sich die Jodversorgung in Deutschland deutlich verbessert. Wird allerdings kein jodiertes Speisesalz verwendet, erreichen 96 % der Männer und 97 % der Frauen die Empfehlung nicht. Aus diesem Grund raten Experten dazu, gerade in Jod-Mangelgebieten wie Süddeutschland pro Woche zwei bis drei Portionen Seefisch zu verzehren und stets Meersalz mit Jod zu verwenden.

Mehr zur Versorgung mit Energie, Fett, Kohlenhydraten & Co. lesen Sie im Infokasten.

Brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel?

Laut der nationalen Verzehrsstudie II nehmen 31 % der Frauen und 24 % der Männer regelmäßig Vitamine, Mineralstoffe und ähnliche Nahrungsergänzungen als Kapseln, Tabletten oder Pülverchen ein. Das ist eigentlich nicht notwendig angesichts der guten Versorgung mit den meisten Nährstoffen. Vielmehr sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Nur Personen mit einem erhöhten Bedarf, wie Schwangere und Stillende oder Personen mit einem sehr ausgeprägten Nährstoffdefizit, sollten nach Rücksprache mit dem Arzt auf Präparate zurückgreifen.

Zu viel Energie, zu wenig Ballaststoffe: Unsere Versorgung mit den Hauptnährstoffen
Nährstoff DGE-Empfehlung (Soll-Wert) Ist-Wert
Energie Männer 2413 kcal/Tag
Frauen 1833 kcal/Tag
1/3 aller Männer und Frauen überschreiten die Richtwerte für mittlere körperliche Aktivität
Kohlenhydrate > 50 % Männer 45 %
Frauen 49 %
Eiweiß Männer 14 %
Frauen 14%
sowohl Unter- als auch Überschreitungen
Fett max. 30 % Männer 36 %
Frauen 35 %
Ballaststoffe mindestens 30 g Männer 25 g pro Tag
Frauen 23 g pro Tag

Zu viel Energie, zu wenig Ballaststoffe: Unsere Versorgung mit den Hauptnährstoffen

Nährstoff:Energie

DGE-Empfehlung (Soll-Wert):Männer 2413 kcal/Tag, Frauen 1833 kcal/Tag

Ist-Wert:1/3 aller Männer und Frauen überschreiten die Richtwerte für mittlere körperliche Aktivität

Nährstoff:Kohlenhydrate

DGE-Empfehlung (Soll-Wert):> 50 %

Ist-Wert:Männer 45 %, Frauen 49 %

Nährstoff:Eiweiß

DGE-Empfehlung (Soll-Wert):Männer 14 %, Frauen 14 %

Ist-Wert:sowohl Unter- als auch Überschreitungen

Nährstoff:Fett

DGE-Empfehlung (Soll-Wert):max. 30 %

Ist-Wert:Männer 36 %, Frauen 35 %

Nährstoff:Ballaststoffe

DGE-Empfehlung (Soll-Wert):mindestens 30 g

Ist-Wert:Männer 25 g pro Tag, Frauen 23 g pro Tag