Ernährungsirrtümer und echte Tipps

Manche Glaubenssätze in Sachen Ernährung werden hartnäckig wiederholt. Sie haben sich in den Köpfen festgesetzt, unabhängig davon ob sie stimmen oder nicht. An einigen Weisheiten wie „Etwas Warmes braucht der Mensch“ ist etwas Wahres dran. Andere wie die Aussage „Unsere Lebensmittel enthalten heute weniger Vitamine als früher“ sind dagegen wissenschaftlich nicht haltbar. Es lohnt sich also, landläufige Meinungen einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Hier lesen Sie, welche Weisheiten Sie wirklich glauben und welche Sie getrost vergessen können.

Liefert Rohkost die meisten Vitamine?

Etliche Gesundköstler glauben, dass man am besten alles roh essen sollte, da beim Kochen zu viele Vitamine verloren gehen. Doch das stimmt nur zum Teil.

Tatsächlich sind viele Vitamine hitzeempfindlich und werden durch das Kochen teilweise zerstört. Viele wasserlösliche Vitamine werden dagegen in das Kochwasser geschwemmt und bleiben erhalten, wenn man die Kochflüssigkeit mit verwendet, zum Beispiel als Sauce. Auch schließt das Erhitzen bei Lebensmitteln mit fester Zellstruktur die Zellen auf und macht die Vitamine erst verfügbar. Bei Kohl oder Karotten beispielsweise empfiehlt sich moderates Erhitzen, während man zarte Gemüse wie Paprika besser roh isst.

Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie die „volle Vitaminpower beim Kochen“ am besten erhalten.

Braucht der Mensch etwas Warmes am Tag?

Früher hieß es oft, dass man einmal am Tag etwas Warmes essen sollte. Da ist etwas dran. Zwar können wir auch von kalter Küche leben, aber erhitzte Speisen haben auch ihre Vorteile. Zum einen macht das Erhitzen manche Lebensmittel für uns erst genießbar, wie beispielsweise Kartoffeln, Reis oder Bohnen. Dadurch erweitert sich unser Angebot an wichtigen Nährstofflieferanten. Zum anderen schließt das Kochen die Zellen auf und setzt manche Nährstoffe erst frei.

Sind Schadstoffe das größte Gesundheitsrisiko beim Essen?

Immer mehr Menschen haben Angst vor Schadstoffen in Lebensmitteln und halten diese für die größte Gefahr. Schaut man sich jedoch genau an, wovon wir tatsächlich krank werden, so sind das vor allem falsche Ernährung und mangelnde Hygiene.

Wer also etwas für seine Gesundheit tun will, sollte vor allem darauf achten, ausgewogen, gesund und in Maßen zu essen. Zudem sollte man empfindliche Lebensmittel immer gut gekühlt lagern und für Sauberkeit in der Küche und beim Kochen sorgen. Unsere Lebensmittel werden heutzutage sehr umfangreich auf Schadstoffe untersucht, sodass hiervon kaum eine Gefahr ausgeht.

Tipp: Möchten Sie wissen, mit welchen Hygienemaßnahmen Sie Ihre Gesundheit schützen können? Das erfahren Sie im Beitrag „Wenn Bakterien im Lappen lauern“.

Sind Bio-Lebensmittel gesünder?

Bio-Lebensmittel haben viele Vorteile, doch grundsätzlich gesünder sind sie nicht. Wie viele gesunde Nährstoffe ein Lebensmittel enthält, hängt nicht in erster Linie von der Art des Pflanzenschutzes oder der Wirtschaftsweise des Herstellers ab, viel entscheidender sind beispielsweise die Sorte oder die Klimaverhältnisse.

Vorteilhaft an Bio-Lebensmitteln ist ihre sehr geringere Belastung mit Pflanzenschutzmitteln und Schadstoffen. Außerdem ist die ökologische Wirtschaftsweise verträglicher für unsere Umwelt.

Waren unsere Lebensmittel früher vitaminreicher?

Manche Menschen sorgen sich, dass unsere Lebensmittel nicht mehr genügend Nährstoffe enthalten. Denn immer wieder ist zu hören, dass die Böden ausgelaugt seien und die Lebensmittel heutzutage nährstoffärmer seien, als früher.

Vergleichende Untersuchungen zeigen jedoch keine Tendenz zu sinkenden Nährstoffkonzentrationen in landwirtschaftlichen Produkten. Die Nährstoffgehalte schwanken stark aufgrund natürlicher Einflussfaktoren wie Sorte, Klima, Reifezustand, Ernte- und Lagerungsbedingungen. Sie liegen jedoch seit Jahrzehnten in demselben Schwankungsbereich.

Wer eine Vielfalt verschiedener, möglichst frischer und reifer Lebensmittel isst, kann damit problemlos auf natürliche Weise seinen Nährstoffbedarf decken.

Ist frisches Gemüse nährstoffreicher als Tiefkühlgemüse?

Knackfrisch geerntetes, vollreifes Obst und Gemüse ist die beste Wahl – da gibt es keinen Zweifel. Es liefert nicht nur die meisten Vitamine, sondern ist zugleich schön saftig, aromatisch und schmeckt einfach köstlich. Doch was ist, wenn der Spinat oder der Brokkoli schon ein paar Tage im Gemüsefach liegen?

Mit jedem Tag der Lagerung gehen empfindliche Vitamine verloren. Besonders groß sind die Verluste, wenn Obst und Gemüse zu warm oder zu trocken aufbewahrt werden oder zu viel Licht abbekommen. Um die beste Ausbeute an Vitaminen, Nähr- und Aromastoffen zu gewährleisten, empfiehlt es sich, Gemüse frisch zu kaufen und nur kurze Zeit kühl, leicht feucht und dunkel zu lagern und möglichst bald zu verbrauchen.

Tiefkühlgemüse hat den Vorteil, dass es vollreif geerntet und direkt eingefroren wird. Dank schonender Verarbeitungsverfahren gehen dabei relativ wenige Nährstoffe verloren. Insofern ist das Gemüse aus der Eistruhe überlagertem „Frischgemüse“ in Sachen Nährstoffgehalt und Aroma überlegen.

Tipp: Mehr Infos zu dem Thema finden Sie in unserem Beitrag „Wie gesund sind Obstkonserven und Tiefkühlgemüse?“.

Ist Körnerbrot gleich Vollkornbrot?

Vollkornbrot ist gesund, denn es enthält fast alle Inhaltsstoffe des ganzen Getreidekorns. Zugleich liefert es uns reichlich Ballaststoffe, die den Cholesterinspiegel senken, die Verdauung fördern und satt machen. So viel ist bekannt. Doch welches Brot verdient tatsächlich die Bezeichnung Vollkorn? Dunkle Farbe, grobe Struktur und Körner auf der Kruste, sind keineswegs Garantien für ein Vollkornbrot, wie Viele glauben.

Wie dunkel ein Brot ist, wird nicht nur durch den Vollkornanteil, sondern auch durch die Getreidesorte und andere Inhaltsstoffe wie Zuckerbestandteile und Röststoffe bestimmt. So hat Roggenmehl beispielsweise eine dunklere Farbe, als Weizenmehl.

Ob ein Brot besonders grobkörnig ist, hängt davon ab, wie fein die Getreidekörner gemahlen werden. Auch das volle Korn kann relativ fein vermahlen werden.

Oft sollen „Körner“ im oder auf dem Brot den Anschein von gesundem Vollkorn erwecken. Saaten wie Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Kürbiskerne und Co haben zwar auch ihre gesundheitlichen Vorteile, mit Vollkorn haben sie jedoch nichts zu tun.

Für ein Vollkornbrot ist entscheidend, dass ein möglichst großer Teil des gesamten Getreidekorns im Brot steckt. Wichtig sind vor allem die Randschichten des Getreidekorns, denn diese enthalten besonders viele Ballaststoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe.

Tipp: Mehr über Brot in der Ernährung und die verschiedenen Brotsorten lesen Sie in unserem Beitrag „Brot