Brauchen wir eine warme Mahlzeit am Tag?

Rohkost ist gesund

Rohkost ist gesund. Früher hieß es, der Mensch solle jeden Tag mindestens eine warme Mahlzeit zu sich nehmen. Andererseits zerstört das Kochen einige wichtige Nährstoffe. Daher lautet eine andere Empfehlung: Esst möglichst viel Rohkost. Ja, was denn nun? Ist reine Rohkosternährung ideal, um den Körper mit frischen Vitaminen und Vitalstoffen zu versorgen? Oder fehlt uns etwas, wenn wir nichts Warmes essen? Wir erläutern die Vor- und Nachteile roher und gekochter Kost.

Rohköstler essen natürlich und frisch

Was bedeutet eigentlich Rohkost-Ernährung? Strenge Rohköstler essen nur Lebensmittel, die nicht erhitzt wurden. Sie ernähren sich überwiegend von pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Kräutern und Sprossen, Getreide, Hülsenfrüchten und Nüssen. Auch Honig und kaltgepresste Öle werden zumeist akzeptiert. Manche Rohköstler sind strikte Veganer, sie essen also nur pflanzliche Lebensmittel. Andere sind Vegetarier und verzehren auch Milchprodukte und Eier, aber kein Fleisch oder Fisch. Es gibt aber auch Rohköstler, die im Prinzip alles essen, sofern es nicht gekocht oder anderweitig erhitzt wurde.

Rohkost: viele Vitamine, wenig Kalorien

Der große Vorteil von Rohkost ist, dass die Lebensmittel frisch und natürlich auf den Tisch kommen: Vitamine und Enzyme wurden nicht durch Hitze zerstört und Mineralstoffe nicht durch das Kochwasser ausgelaugt. Naturgemäß essen Rohköstler viel mehr frisches Obst und Gemüse und viel mehr pflanzliche Produkte als der Durchschnittsbürger.
So liefert die Rohkosternährung viele wertvolle Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie enthält natürlicherweise weniger Fett und auch weniger Kalorien. Zugleich halten reichlich Ballaststoffe den Darm in Schwung und schützen ihn vor Krankheit.

Gekochte Mahlzeiten: mehr Auswahl, weniger Keime

Aber auch das Kochen hat seine Vorteile. Durch das Erhitzen werden manche Nährstoffe überhaupt erst für den Körper nutzbar gemacht. So können wir beispielsweise Beta-Carotin aus gekochten Möhren viel besser aufnehmen als aus rohen. Und manche Lebensmittel werden durch das Kochen überhaupt erst genießbar für uns. Hülsenfrüchte wie Bohnen müssen gekocht werden, um die darin enthaltenen giftigen Lektine zu zerstören. Auch Kartoffeln oder Reis sind nur gekocht gut bekömmlich. Nicht zuletzt tötet das Erhitzen Krankheitserreger ab und macht zum Beispiel den Genuss von Fleisch, Fisch oder Eiern erheblich sicherer.

Die Kulturtechnik des Kochens ermöglicht uns eine viel breitere Auswahl an Lebensmitteln, Zubereitungsformen und Geschmacksrichtungen. So fällt es leichter, den Körper mit allem Notwendigen zu versorgen.

Rohköstler sind nicht immer optimal versorgt

Wer sich nur von Rohkost ernährt, muss darauf achtgeben, dass sein Körper alle notwendigen Nährstoffe erhält. Bei der Gießener Rohkost-Studie von 1998 zeigte sich, dass Rohköstler mit vielen Nährstoffen, wie z. B. den Vitaminen A, C, E sowie B-Vitaminen und Folsäure, Carotin und Antioxidantien sehr gut versorgt waren. Andererseits litten jedoch viele unter Eisenmangel, da Eisen aus Pflanzen schlechter aufgenommen wird. Zudem fehlten Calcium, Vitamin D und Vitamin B 12, welche typischerweise überwiegend beim Verzehr tierischer Produkte aufgenommen werden. Auch Magnesium, Zink und Jod waren oft nicht ausreichend verfügbar.

Die Rohköstler waren durchweg sehr schlank, manche sogar untergewichtig. Bei einigen konnte regelrechte Unterernährung festgestellt werden.

Fazit: Warme Mahlzeiten und viel Rohkost

Warme Mahlzeiten und Rohkost haben jeweils ihr Gutes. Warum also nicht einfach beides kombinieren? Achten Sie bei der Zubereitung warmer Mahlzeiten darauf, die Lebensmittel nur so wenig wie nötig zu erhitzen. Dünsten Sie möglichst in wenig Wasser. Und essen Sie zudem viel Rohkost. So genießen Sie alle Vorteile und Ihr Körper wird optimal versorgt.
Wie Sie die Nährstoffe bei der Zubereitung am besten erhalten, erfahren Sie im Beitrag „Volle Vitaminpower beim Kochen“.
Interessieren Sie sich für vegetarische Ernährung? Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel „Vegetarismus“.